Medikamentöse Schmerztherapie

Beim akuten Schmerz hat der Schmerz Signalcharakter und erfordert eine gezielte Abklärung möglicher Ursachen. Doch auch in diesem Stadium ist, z.B. bei einer akuten Rückenschmerzattacke, zeitgleich zur Abklärung möglicher schwerwiegender Ursachen die Gabe von geeigneten entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten sinnvoll, um die Dauer der Schmerzen so kurz wie möglich zu halten und vor allem eine Chronifizierung zu verhindern.

Was geschieht eigentlich bei der Chronifizierung von Schmerzen? Es kommt zuerst zu einer Überempfindlichkeit im Schmerzbereich mit einer Senkung der Schmerzschwelle – wir nennen dies die periphere Sensibilisierung. Gegen diese "periphere Sensibilisierung" wirken alle herkömmlichen nichtsteroidalen Antirheumatika.

Bereits nach wenigen Wochen kommt es besonders im Rückenmarksbereich + Gehirn zu Umbauvorgängen. Dabei werden neue Schmerzrezeptoren und Schmerzverschaltungen gebildet und die normal inaktivierten schmerzunterhaltenden Nervenbotenstoffe freigesetzt. Das hat zur Folge, dass dem Schmerz im Zentralnervensystem zunehmend mehr Bedeutung gegeben wird, als ihm eigentlich zusteht. Dies nennen wir die "zentrale Sensibilisierung". Darauf haben unter anderem die Opiate, hauptsächlich zentral wirkende Medikamente, einen positiven Einfluss.

Warum ist also die fachgerechte und rechtzeitige Verordnung von Schmerzmedikamenten so wichtig? Einerseits, um die Chronifizierung nicht entstehen oder ausufern zu lassen. Ein zweiter zumindest gleich wichtiger Grund ist aber die Ermöglichung einer ehestmöglichen Wiederaufnahme von normalen Aktivitäten bis hin zu speziellen Muskelkräftigungsübungen. Durch die schmerzbedingte Schonung kommt es sehr rasch zu einer zunehmenden Muskelabschwächung und durch Überlastung von passiven Bewegungsstrukturen zur Verstärkung der bestehenden Schmerzen und daraus resultierender weiterer Schonung. Dieser Teufelskreis gehört durchbrochen! 

WHO-SCHEMA

Schon 1996 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Vorschlag für einen wirkungsvollen, aber auch möglichst nebenwirkungsarmen dreistufigen Einsatz von Schmerzmedikamenten gemacht, der seitdem von allen Schmerztherapeuten weltweit angewandt wird.

In den letzten Jahren wird zudem ein mechanismenorientierter Einsatz von Analgetika empfohlen: Denn ein Kopfschmerz benötigt völlig andere Medikamente als ein Bauch- oder Nervenschmerz! Daher sollte der Mediziner gemeinsam mit dem Patienten unter Berücksichtigung beider Ansätze die Analgetika-kombination erarbeiten, die voraussichtlich die beste Wirkung, aber auch die geringste Nebenwirkung hat.