Streßbelastungstest mittels Biofeedbackmessung

Viele chronische Rückenpatienten zeigen eine Schmerzverstärkung oder Schmerzauslösung durch bestimmte Streßreize, wie z.B. Zeit- oder Leistungsdruck im Büro bis hin zu unerwarteten privaten Herausforderungen.

Eine entsprechende Anpassungsreaktion auf einen Streßreiz war in der Menschheitsgeschichte immer schon die Voraussetzung für das Überleben unserer Rasse. Wenn plötzlich ein Tiger aus dem Busch springt müssen wir so rasch wie möglich alle verfügbaren Energien, Streßhormone und Kräfte zur Verfügung haben, sonst sind die Überlebenschancen gering. Das heißt: eine angemessene hormonelle, vegetative und motorische Reaktion auf einen Streßreiz ist notwendig und sinnvoll und wird auch "Eustreß" genannt. In unserer schnelllebigen Zeit, wo wir extrem unter Zeit- und Leistungsdruck stehen, kommt es aber sehr oft über die Maßen zu einer Ausschüttung von Streßhormonen. Die vom Körper damit vorbereitete Flucht- oder Angriffsreaktion des Körpers bleibt aber zumeist aus. Wie in einem Überdruckkochtopf ohne Ventil wirken in diesem Fall die Streßhormone und das "erhöhte Standgas" unseres unwillkürlichen Nervensystems und schädigen auf Dauer unter anderem unseren Magen, das Herz-Kreislaufsystem und das Immunsystem.

Die Kanalisierung von diesem Disstreß in sportliche Aktivitäten oder spezielle Entspannungsverfahren ist eine gute praktikable Entladungsmöglichkeit des "Überdrucks". In einem nächsten Schritt sollten wir lernen, besser mit solchen psychosozialen Überforderungen umzugehen. Dafür muß man aber zuerst wissen, ob man in Streßsituationen angemessen reagiert oder nicht. Zu diesem Zweck wurde ein standardisierter Test mittels Biofeedback entwickelt, mit dem man über die Messung von nicht willkürlich steuerbaren Parametern wie Hautleitwert, Hauttemperatur, Herzfrequenz oder Pulsamplitude den Grad an Sympathicusaktivität messen kann. Der Sympathicus ist der Teil des unwillkürlichen Nervensystems, der bei einer Streßsituation alle Körpersysteme alamiert und aktiviert. Es ist mitunter sehr überraschend, wie jeder einzelne auf Ankündigungen von Streßreizen reagiert oder wie lange jemand benötigt, um nach stattgefundenen Streßreizen wieder entspannt zu sein. Das Ergebnis hat anschließend sofort therapeutische Konsequenzen in Form von Entspannungstraining, Körperwahrnehmungsschulung und Verhaltensmodifikation.

"Muscelscanning" - Sichtbarmachung einer unwillkürlichen Muskel-Mehrspannung
Neben einer verminderten Muskelkraft und Koordination stellt auch die Muskelverspannung eine Reaktion des Körpers auf einen langandauernden Schmerzreiz dar. Die ursächliche Bedeutung dieser Reaktion ist die reflektorische Ruhigstellung eines schmerzhaften Areals durch eine übermäßige Anspannung der dafür verantwortlichen stabilisierenden Muskulatur. Durch die langanhaltende Muskelanspannung wird die Durchblutung im Muskel jedoch z.T. drastisch reduziert, was zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Muskels führt. Dies hat wiederum über eine Senkung der Schmerzschwelle eine neuerliche Stimulation von Schmerzrezeptoren zur Folge.

Mittels Biofeedback messen wir mittels Oberflächenelektroden an parallelen Muskelgruppen, z.B. am Nacken oder Kreuz die Muskelaktivität in Ruhe, beim Sitzen, Stehen, Gehen oder nach einem definierten Streßreiz und vergleichen die Werte mit der gesunden Gegenseite bzw. mit Normwerten. Damit sind wir in der Lage festzustellen, in welchem Ausmaß eine erhöhte Daueranspannung an der Aufrechterhaltung Ihrer Schmerzen mitwirkt oder eine massive Dysbalance zwischen beiden Körperseiten besteht. Nach Sichtbarmachung kann anschließend über spezielle Trainingsprogramme der Muskelanspannungslevel wieder reduziert und seitengleich gemacht werden. Gleichzeitig schärfen wir dabei ganz gezielt die Körperwahrnehmung bezüglich einer normalen Muskelanspannung. Dazu gehört auch eine Bewußtmachung von schmerzverstärkenden "schlechten Angewohnheiten", wie z.B. hochgezogenen Schultern ("in Deckung gehen").